icho systems – der neue Begleiter im Pflegealltag

Hallo Steffen, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst! Bitte stelle uns zu Beginn Dich und Dein Team bei icho systems kurz vor:

Hallo, ich bin Steffen von icho systems und gemeinsam mit meinen Mitgründern Alkje, Eleftherios und Mario arbeiten wir seit 2015 an unserem Therapieball ichó. Mit ichó erhalten Menschen mit kognitiven oder motorischen Erkrankungen und Einschränkungen ein individuelles Hilfsmittel, zur Aktivierung und Förderung.

Welches Problem wollt Ihr mit icho systems lösen ?

Menschen mit kognitiven Erkrankungen, wie zum Beispiel einer Demenz, Menschen mit Behinderungen oder Entwicklungsstörungen wie Autismus, benötigen eine gezielte Förderung.

Angehörige von Betroffenen fehlt es häufig an der nötigen Kompetenz, die meist sehr genau abzustimmenden Therapiemaßnahmen durchzuführen und brauchen Unterstützung für eine bessere Betreuung.

Auch in der professionellen Pflege werden händeringend Hilfsmittel gesucht, die den Arbeitsalltag erleichtern und den Zugang zum Menschen ermöglichen.

ichó schlägt hier genau die Brücke und kann durch seine vielseitigen Einsatzmöglichkeiten für viele unterschiedliche Bedarfe einen Nutzen darstellen. Mit ichó ist es beispielsweise sehr leicht einen Zugang zu Menschen mit Demenz zu schaffen, über Lieder, Rätsel, Geschichten, die alle aus dem ichó kommen.

Wie ist die Idee zu icho systems entstanden ?

ichó ist aus der griechischen Mythologie entnommen. Sie war eine Nymphe, die von Hera verflucht wurde, nur noch die Worte wiedergeben zu können, die als letztes an sie gerichtet wurden.
Wir fanden den Gedanken sehr schön, ichó die Kraft der Kommunikation wieder zurück zu geben und entschieden uns daher auch unser Produkt ichó zu nennen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter icho systems erklären ?

Das ist eine ganz besondere Frage, da unsere Großmütter sehr eng im Entwicklungsprozess von ichó involviert waren. Wir alle mussten als Angehörige erfahren, was es bedeutet, wenn die eigenen Großeltern an Demenz erkranken und sich langsam immer weiter von einem entfernen.

Meine Großmutter hatte schon sehr früh einen Prototypen von ichó in der Hand. Wenn Sie den kleinen Ball bewegte und drehte, begann ichó bunt zu leuchten und ihre Lieblingsmusik abzuspielen, Roy Black mit seinem Hit „Ganz in Weiß“.
Dann begann sie sich zu bewegen und leise mitzusingen.

Wenn sie mich gefragt hätte, was ich beruflich mache, hätte ich meine Arbeit an diesem Beispiel erklärt. Wir arbeiten daran, den Menschen Freude und Lebensqualität zu bringen, durch kleine Zauberkugeln, die leuchten und bereits verblasste Erinnerungen wecken.

Hat sich Euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert ?

Seit Beginn arbeiten wir sehr eng mit Betroffenen, Therapeuten, Pflegefachkräften und Ärzten an den Anwendungskonzepten von ichó. Das grundlegende Wirkungsprinzip von ichó hat sich hierbei nie verändert, sondern wurde immer konkreter und genauer.

Vielmehr sind neue Aspekte hinzugekommen. Zu Beginn war es nur das Thema Demenz, aufgrund der persönlichen Betroffenheit. Heute sind es auch Kinder mit geistiger Behinderung, mit Entwicklungsstörungen, Autismus, Schlaganfallpatienten, Menschen mit MS-Erkrankung und viele mehr.

Wir entdecken immer weitere Anwendungsmöglichkeiten und freuen uns auf das, was noch kommt.

Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell ?

Der ichó Therapieball wird zu einem festen Preis mit ausgewählten Grundanwendungen angeboten. Mit dieser Basis können die meisten Anwender ichó sehr gut kennenlernen und sich immer weiter spezialisieren.

In unserer ichó agora, können weitere Anwendungen hinzugekauft werden. Das Anwendungsportfolio wächst kontinuierlich und wir sprechen bereits mit den ersten externen Entwicklerbüros, die selbst gerne Anwendungen für ichó entwickeln und anbieten möchten.

Darüber hinaus arbeiten wir konkret an weiteren Produkten, die auf ichó basieren. Das ist zum Beispiel die Möglichkeit, die erfassten Anwendungsdaten des Balls digital auszuwerten, um eine Therapie und Diagnostik genauer zu dokumentieren.

Wie genau hat sich icho systems seit der Gründung entwickelt ?

Für uns alle war es zu Beginn nie ein Schwerpunkt, ein Unternehmen zu gründen. Wir wollten einfach nur einen Mehrwert für Betroffene und Angehörige schaffen, da wir gesehen haben wieviel Freude man mit den Anwendungen bringen kann.

Und dann ging alles plötzlich ganz schnell, Pitch Veranstaltungen und große Bühnen, Gespräche mit Investoren, der Abschluss der ersten Finanzierungsrunde, die erste Prototypen Kleinserie, der Aufbau der Lieferkette und erste Kunden. Ehe man sich versieht, sind anderthalb Jahre um, man ist nicht mehr nur zu viert, sondern mehr als doppelt so groß gewachsen und alles kommt einem normal vor.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Euer Startup inzwischen ?

Wir sind ein Team aus zehn Leuten mit einem Schwerpunkt in der technischen Entwicklung. Wir arbeiten zusätzlich viel mit externen Partnern, um zu bestimmten Spitzen die nötigen Ressourcen zur Verfügung zu haben.


Die Umsätze sind trotz der Corona bedingten Ausfälle ganz okay, aber wir sind auch sehr ambitioniert.

Wir hoffen, dass zeitnah wieder alles normal läuft und auch wir wieder von Lieferanten beliefert werden können und das Geschäft wieder anzieht.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schiefgegangen ?

Das ist halt die Frage, ab wann man bewertet, dass es schiefgegangen ist. Ich glaube, jeder Gründer ist mit schier unfassbaren Herausforderungen konfrontiert, da man an allen Stellen Pionierarbeit leistet.
Wir haben einige Rückschritte in der technischen Entwicklung erlebt. Das hat uns vor allem auch Zeit gekostet, die wir investiert haben, um ein qualitativ hochwertiges Produkt auf den Markt zu bringen.
Diese Learnings muss aber jeder machen, um gestärkt aus der Situation hervorzugehen. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und ich arbeite lieber mit Menschen, die hundert Krisen bewältigen mussten. Die wissen dann, wie es geht.

Was habt Ihr daraus gelernt ?

Vor allem eines: Es geht immer weiter!
Häufig gab es Tage, da prasselten die „Überraschungen“ nur so auf einen ein. Da weiß man gar nicht, wo man zuerst anfangen soll und wie alle Sachen mit Priorität 1 doch irgendwie bewältigt werden können.

Das wichtigste Learning für uns ist: Nichts ohne das Team! Ich vertraue auf mein Team und die Kompetenzen und dass wir gemeinsam immer Rückenwind haben, egal in welchem Hurricane wir auch gerade stecken.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht ?

Ich glaube das Thema Transparenz ist etwas, was wir von Anfang an richtig gemacht haben. Transparent zum Kunden, zum Investor, zum Kooperationspartner, zu uns selbst.
Wenn wir Probleme gesehen haben, haben wir diese auch offen angesprochen und uns um Hilfe gekümmert. Weil wir das offen und ehrlich gestaltet haben, haben wir auch immer Hilfe bekommen und stehen heute da, wo wir sind.

Wie ist Euer Startup finanziert ?

Wir sind vorwiegend durch das Eigenkapital unserer Businessangels finanziert. Wir haben aber auch öffentliche Mittel der NRW Bank über das Seed-Cap Programm erhalten und arbeiten sehr eng mit unserer Hausbank zusammen.

Was sind Eure Pläne und Ziele für die nächsten 12 Monate ?

Der ichó Therapieball ist jetzt auf dem Markt und wir freuen uns riesig darüber. Natürlich gibt es noch ein paar Kinderkrankheiten, die wir durch den großen Rollout erkennen konnten und derzeit überarbeiten.
Unser Anwendungsportfolio wird täglich umfangreicher, da wir auch mit tollen Partnern für Kinder etc. arbeiten.
Wir möchten konkret Anwendungsentwicklung für den Bereich Autismus betreiben, da wir sehr positive Rückmeldungen aus ersten Pilotphasen erhalten haben.

Außerdem bereiten wir noch ein bis zwei Projekte mit ichó vor, über das ich hier noch nicht so viel verraten kann. Es bleibt also super spannend!

Vielen Dank für das Interview.

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