Ingpuls – intelligente Werkstoffe die die Zukunft verändern

Hallo André, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst! Bitte stelle uns zu Beginn Dich und Dein Team bei Ingpuls kurz vor:

Mein Name ist André Kortmann. Neben meinen beiden Kollegen Christian Großmann und Burkhard Maaß bin ich einer der drei Gründer und Geschäftsführer von Ingpuls. Unsere Geschichte in ein paar kurzen Sätzen: Kennengelernt im Mathe-Vorkurs des Maschinenbaustudiums an der RUB – zusammen mit 10 Leuten eine Lerngruppe gebildet – Werkstoffe vertieft – durch das Institut für Werkstoffe FGL kennengelernt und verstanden – während der Promotion haben wir dann Ingpuls gegründet. Ich bin stolz auf mein Team und stelle es gerne komplett vor. Da es mittlerweile aber 55 Leute umfasst, glaube ich, reicht der Platz leider nicht. 😉

Vielleicht möchtest Du uns ganz am Anfang unseres Interviews Euer Startup kurz vorstellen ?

Ingpuls ist ein Werkstoffunternehmen, das Produkte auf Formgedächtnis-Basis entwickelt und produziert. Formgedächtnislegierungen (FGL) sind metallische Werkstoffe, die sich nach einer scheinbar plastischen Verformung wieder an ihre Ursprungsgestalt zurückerinnern können. Wir designen unter Zuhilfenahme modernster Herstellungs- und Charakterisierungsmethoden FGL mit den Eigenschaften, die wir für innovative Produkte benötigen. Anschließend produzieren wir diese Werkstoffe und entwickeln die Produkte mit den gewünschten Funktionen. So entstehen High-Tech Produkte, in dessen Zentrum die FGL-Komponente steht, aus einem Guss.

Welches Problem wollt Ihr mit Ingpuls lösen ?

FGL bieten im Vergleich zu anderen Technologien zahlreiche Vorteile. FGL können alleine im Automotive- oder Haushaltsgeräte-Bereich in der Aktorik, in der Sensorik, und vielen weiteren Anwendungsfeldern eingesetzt werden. Dabei sind unsere Lösungen energieeffizienter, rohstoffschonender, geräuschlos und richtig ausgelegt auch deutlich länger haltbar. In der Medizintechnik kommen FGL in der koronaren Gefäßchirurgie (Stents, Führungsdrähte), in der Dentalmedizin (Zahnspangendrähte, Wurzelkanalfeilen) oder in der Unfallchirurgie (Knochenklammern) zum Einsatz und stellen tagtäglich Ihre Vorteile unter Beweis.

Wie ist die Idee zu Ingpuls entstanden ?

Wir haben unser Wissen über FGL durch unser Studium und Promotion am Institut für Werkstoffe der RUB erarbeitet. Dort haben wir auch gesehen, dass viele Kollegen mit dem Wissen zu Firmen gegangen sind, die mit FGL nichts zu tun haben. Der Markt war schlichtweg zu klein. Das Potential dieses Materials wollten wir aber nicht so einfach „verschenken“. Am Institut haben wir dann unser eigenes Material hergestellt, da die Qualität der am Markt verfügbaren Legierungen nicht gut genug war. So kamen wir auf die Idee Ingpuls zu gründen.

Der Name entstand bei einer unserer Abendsessions nach der Arbeit an der Uni – bei Pizza und einer Cola. Wir wollten Ingenieur-Impulse, also Ingpulse, setzen und hatten so auch noch einen Namen, der bei Google 0 Treffer erzielte. Perfekt also. 😉

Wie würdest Du Deiner Großmutter Ingpuls erklären ?

Genau wie gerade beschrieben… Sie hat es verstanden. Nur das mit dem Material hat ein wenig länger gedauert.

Hat sich Euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert ?

Unser erster Auftrag kam aus der Zahnmedizin – Prof. Zimmer, Uni Witten. Wir haben eine Zahnputzmaschine gebaut, die so in der Form nicht am Markt verfügbar war. Das war vor knapp 10 Jahren. Bis heute sehen wir unseren Maschine immer mal wieder. Fast jeder Testbericht über Zahnbürsten oder Zahnpasten wurde auf unserer Maschine durchgeführt.

Also, ja. Das Konzept hat sich verändert. Am Anfang haben wir uns breiter aufgestellt, um Geld zu verdienen. Doch das Ziel war es immer FGL-Produzent zu sein. Da ist manchmal ein kleiner Umweg erforderlich.

Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell ?

Wir helfen unseren Kunden FGL in ihre Produkte zu integrieren. Zusätzlich können wir das Material in Mustermengen bis hin zu Millionenstück produzieren. Da das Material an sich sehr komplex ist und auch bei der Herstellung viele Fehler gemacht werden können, gibt es nicht viele Firmen auf der Welt, die über das Know-How verfügen. FGL bietet aber zahlreiche Vorteile im Bereich der Aktorik, wurde bisher aber hauptsächlich in der Medizin eingesetzt. Wir implementieren die Technologie gerade auch in andere Anwendungsfelder, z.B. in die Bereiche Automotive, Luft- und Raumfahrt oder den Hausgeräte-Markt.

Wie genau hat sich Ingpuls seit der Gründung entwickelt ?

Gestartet sind wir als Dienstleister, der kleine Mengen auf Uni-Anlagen hergestellt hat. Wir haben für Kunden neue Legierungen entwickelt, die auf bestimmte Prozesse angepasste Eigenschaften hatten. Bei einem Auftrag kam unser Kunde am Ende auf uns zu und meinte „das funktioniert sehr gut, könnte ihr das auch eine Million Mal im Jahr produzieren?“. Das war für uns der Anfang von Ingpuls als produzierendes Unternehmen. Der Zeitplan war eng. Wir hatten ein Jahr Zeit eine komplette Produktion aufzubauen. Die Bankenfinanzierung hat geklappt, war aber nicht ohne. Ein komplexes Konstrukt musste her und wir mussten liefern. Den Einstieg in die Automobilwelt haben wir dann auf die harte Tour gelernt. Eine Anlage kam drei Monate zu spät und hat sich dann auch noch selbst zerlegt. Von unserem Plan, die gesamte Prozesskette in 3 Monaten einzufahren sind am Ende 2 Wochen geworden. Denkbar knapp um auf hohe Stückzahlen zu kommen. Am Ende haben alle mitgeholfen, Mitarbeiter, Freunde, Familie. Ingpuls stand auf der Kippe, aber gemeinsam haben wir es geschafft. Inzwischen sind wir mitten in unserer zweiten Ausbaustufe. Mit Hilfe eines achtstelligen Invests habe wir die Möglichkeit unsere Kapazitäten massiv auszubauen.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Euer Startup inzwischen ?

  • 55 Mitarbeiter
  • Bald 2500m2 Produktionsfläche
  • Mehrere Millionen Euro Umsatz

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?

Das war unser Serienstart, wie gerade beschrieben. 🙂

Was habt Ihr daraus gelernt ?

Egal wie schlimm die Situation ist: Durchatmen, zusammensetzen, Lage analysieren, Lösung finden. Streiten & beschimpfen (ist eine Gepflogenheit in manchen Unternehmen) bringt einen nicht weiter. Das haben wir vorher schon so gemacht, machen wir jetzt immer noch, nur wissen wir um so mehr, dass es richtig ist.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht ?

Wir Gründer haben neben Ingpuls allesamt eine Familie gegründet und unsere Freunde teilweise mit ins Boot geholt, darauf sind wir sehr stolz!

Was sind Eure Pläne und Ziele für die nächsten 12 Monate ?

Umzug zum neuen Standort, Aufbau unserer zweiten Linie. Optimieren, optimieren, optimieren.

Vielen Dank für das Interview.

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